The Evacuator

2007 | Magazin-Objekt


Aus Pressefotos aus der Zeit des Irak-Kriegs (2003–2007) werden jegliche Akteure spurlos wegretouchiert. Die unveränderten Bildlegenden bleiben erhalten und weisen auf den ursprünglichen Bildinhalt hin.

«Die in Zeiten weltweiter Migrationsbewegungen häufig zitierte Ausweisung überträgt Sonja Feldmeier in evacuated auf ihr bildnerisches Verfahren. Aus 24 Fotografien, die alle der Berichterstattung aus dem Irakkrieg entstammen, ‹evakuierte› sie die menschlichen Figuren. ‹Bergung eines sterbenden Journalisten durch US-Soldaten›; ‹Anti-Kriegs-Demonstration im kalifornischen Point Reyes›; ‹Irakische Soldaten ergeben sich US-Truppen›: Während die Bildlegenden am Anlass der Aufnahme festhalten, fügen digitale Retouchen den Landschaftsausschnitten geheimnisvolle, ja malerisch anmutende Unschärfen hinzu. Dass die originalen Lambda-Prints als Magazin für Fr. 10.00 erhältlich sind, ist Programm. Es führt sie zurück an den ersten Ort ihrer Rezeption und spitzt die inhaltliche Verschiebung noch einmal zu.» (Isabel Zürcher)

«Die Frage, bis wohin Fotografien Zeugnisse der Realität sind, die sie abbilden, und von welchem Punkt an sie zum Abbild subjektiver Stellungnahmen zu dieser Realität werden, ist nicht leicht zu beantworten. Unbestreitbar hingegen ist, dass die Art der Veröffentlichung für ihre Rezeption eine entscheidende Rolle spielt. Layout, Bildlegenden und Kommentare inszenieren Ereignisse und manipulieren das vermittelte Wissen über die dargestellten Zusammenhänge – was während des Irak-Krieges erstmals und in erstaunlicher Unverfrorenheit öffentlich gezeigt wurde anhand der in die Truppen ‹eingebetteten› Reporter. Das dargebotene Spektakel wird in der Regel als Berichterstattung gesehen, obwohl der Sinn von Spektakeln an sich in der Ablenkung von der Realität liegt. (...)

Abstraktion durch Extraktion – so könnte man den Eingriff, den Sonja Feldmeier an den Aktualitätsbildern vornimmt, auf eine kurze Formel bringen. (...) Die entleerten Kulissen der Evacuated-Bilder appellieren an unseren horror vacui; wir projizieren unsere Vorstellung vom kommentierten Geschehen in die Bilder und sehen uns mit der Tatsache konfrontiert, dass niemand uns die Verantwortung für die eigenen Vorstellungen abnehmen kann. Dafür öffnet sich ein eigener Zugang zur Erkundung des vorgefertigten Produkts, das uns als Realität verkauft worden ist. Uns liegt immer noch ein präpariertes Bild vor, aber eines, das die Möglichkeit zu neuen Erkenntnissen eröffnet.» (Pierre-André Lienhard)

Ausstellungen

2001 Sammlungspräsentation, Museum für Kommunikation, Bern
2006 Evacuated, Seifenfabrik, Basel
2006 Dark Angel, Galerie Hans-Trudel-Haus, Baden
2005 Feedback, o.T. Raum für aktuelle Kunst, Luzern

Eine Serie Evacuated befindet sich in der Sammlung des Museum für Kommunikation Bern.

Text
Pierre-André Lienhard, Bemerkungen zur Bilderserie Evacuated von Sonja Feldmeier (download)

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